Das Jahr 2013.

Des Gartenimkers erstes Jahr mit Bienen.



Honig geschnuppert.

Kind vor offener Beute
Kind vor offener Beute

Im Mai 2013 unterhielt sich der Autor dieses Blogs anlässlich einer Familienfeier mit seiner Cousine über deren Bienen. Sie und ihr Mann betreiben seit einigen Jahren eine Imkerei als Hobby. Dieses Gespräch weckte des Autors Interesse. Er besorgte sich ein Lehrbuch zum Thema Imkern und machte sich damit ein erstes Bild von den Tätigkeiten eines Imkers. Auch las er von der Möglichkeit, Bienen in der Stadt zu halten.

 

Von dem Erzählten und Gelesenen ging eine so starke Faszination auf ihn aus, dass er beschloss, sich das mal aus der Nähe anzuschauen.

 

Mitte Juni besuchte der Autor seine Cousine. Er hatte Glück, denn an diesem Tag konnte er ihren Mann bei einigen Schritten seiner imkerlichen Tätigkeit begleiten: Sie schauten seine Bienenvölker durch, hängten Waben um und fütterten die Jungvölker mit Zuckersirup. Am Abend schleuderten sie gemeinsam einige Waben Honig und füllten ihn in Gläser ab.

 

Für den Autor ein eindrucksvolles Erlebnis: Der Duft, der einem offenen Bienenstock entstömt, und der Geschmack frisch geschleuderten Honigs sind unbeschreiblich. Am meisten beeindruckte den Autor jedoch, dass er ohne Schutz am offenen Bienenstock arbeiten konnten, voll mit Bienen besetzte Waben herausziehen und die kleinen Tiere sogar anfassen konnte, ohne dabei gestochen zu werden.

 

Der kleine Sohn der Familie sprang ganz selbstverständlich barfuß und im offenen Body bei den Bienen im Garten herum. Dass ein Bienenvolk so friedlich ist, hätte der Autor nicht erwartet.

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Bienen halten in der Familie.

Durch seine Beschäftigung mit dem Thema Imkerei war der Autor schnell überzeugt, dass das Halten von Bienen im Garten problemlos möglich ist. Aber wie verhält es sich mit dem WAF (women’s acceptance factor), d.h. mit der Akzeptanz innerhalb der Familie?

 

Bienen sind zunächst einmal schwarz-gelb gestreifte, summende und potentiell gefährliche weil stechende Insekten. Wie oft schon haben eine Handvoll Wespen der Familie den Spaß am Essen im Freien verdorben, und wie wurde den Kindern eingetrichtert, mit süßen Getränken im Freien super vorsichtig zu sein? Und jetzt will sich der Herr Vater einen ganzen Bienenstock in den Garten stellen?

 

Tatsächlich interessieren sich Bienen nicht dafür, was wir Menschen in ihrer Umgebung tun. Insofern unterscheiden sie sich deutlich von Wespen. Sie schwirren nicht um den Esstisch, wenn man im Garten isst. Sie greifen einen Menschen nicht an, wenn sie sich nicht unmittelbar von ihm bedroht fühlen. Sie lassen auch auf den Boden gefallene Äpfel links liegen und halten sich ausschließlich an Blüten oder Honigtau. Sie würden uns also in unserem Garten in keiner Weise beeinträchtigen.

 

Für die Kinder wäre die Bienenhaltung eine sinnvolle Hinführung zu interessanten naturkundlichen Zusammenhängen. Die Beschäftigung mit Bienen soll nicht zuletzt die Achtung unserer Natur und die Ehrfurcht vor dem Leben – auch und besonders dem Leben der kleinen Tiere – fördern.

 

Klar ist aber auch, dass Bienen zu halten Zeit kostet. Am Anfang sicherlich etwas mehr, mit einiger Routine sollte es aber nicht viel mehr sein als z.B. für das Rasen mähen erforderlich ist. Zumindest wenn es bei ein paar wenigen Völkern bleibt.

 

Und zu guter Letzt: Bienen machen Honig! Leckeren, süßen Honig!

 

Nach dem Motto:

Honig ist das neue Nutella!

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Der Imker: eher Arzt als Ingenieur.

Die imkernde Cousine des Autors ist Ärztin, ihr Mann ist Ingenieur. Sehr beeindruckend für den Autoren war die Art und Weise, wie der Imker seine Entscheidungen bei den Bienen traf: Nicht nach Lehrbuch, so wie der Autor gerade eines gelesen hatte, sondern eher wie ein Arzt. Dieser betrachtet seinen Patienten, spricht mit ihm, bewertet die ihm verfügbaren Informationen und Eindrücke, um dann eine Entscheidung zu treffen, die zu einem hohen Maß von seiner Intuition beeinflusst ist. Ob es die richtige – oder gar die beste – Entscheidung ist, wird er in der Regel nicht erfahren.

 

Ein eigenes Bienenvolk im Garten zu halten, mit dem wilden Tier Honigbiene umzugehen, die Vorgänge im Bienenvolk verstehen zu lernen, das schien dem Autor ein faszinierender Gedanke zu sein. Bienen seien heute zunehmend vom Aussterben bedroht, liest man, dabei seien viele pflanzliche Nahrungsmittel auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen. Mit der Hobbyimkerei könne man einen kleinen Beitrag zum Erhalt dieser faszinierenden Wildtiere leisten, und nebenbei eigenen Honig ernten.

 

Beim Autoren reifte der Entschluss, in die Imkerei einzusteigen, und so für einen wunderschönen Ausgleich zu seiner Bürotätigkeit im Beruf zu sorgen.  Er freute sich darauf, bald sein erstes Bienenvolk begleiten zu dürfen.

 

Und weil man als Imker nicht ausschließlich nach Lehrbuch handeln kann, befolgte er den Ratschlag,  nach einem erfahrenen Imker - einem Imkerpaten - Ausschau zu halten, bei dem er lernen kann, und der ihm bei seinem ersten Bienenvolk über die Schultern schaut.

 

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Der Imkerpate.

Der Autor kontaktierte den Bezirksimkerverein Heilbronn und fragte nach einem Anfängerkurs. Ein solcher wurde jedoch in diesem Jahr in Heilbronn nicht angeboten, und im benachbarten Weinsberg hatte der Kurs längst begonnen.

 

Nun hatte der Autor ja schon des Öfteren gezeigt, dass er sich neues Wissen durch Studium von Büchern und Informationen aus dem Internet in angemessen kurzer Zeit aneignen konnte. Von einem Einstieg in die Bienenhaltung ohne Kurs riet man ihm auch hier ab. Er folgte aber der Einladung zum Tag der Imkerei am 30.06. im Böckinger Bienengarten.

 

Eine ganze Weile hörte er an diesem Tage einem Imker zu, der einigen Besuchern an einem geöffneten Bienenstock erklärte, was in diesem Bienenvolk so alles passiert. Der Imker war ein sympathischer älterer Herr, die Ruhe in Person, der ausgesprochen liebevoll über „seine Mädels“, und auch mit ihnen, sprach.

 

Als die anderen Besucher weitergezogen waren, sprach der Autor den Imker direkt darauf an, ob er ihn bei seinem ersten Bienenvolk unterstützen würde. Er bejahte diese Frage. Der Autor war glücklich, einen Imkerpaten gefunden zu haben.

 

In den darauf folgenden Wochen war der Autor öfter bei ihm und mit ihm bei seinen Völkern, und sah und lernte dabei viel.

 

Bienenschwarm
Bienenschwarm
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Aufstellprobe.

Am 31.07. ist die nagelneue Beute, das zu Hause des ersten Bienenvolkes, in voller Größe probeweise im Garten hinterm Haus aufgestellt.

 

Mit 4 Vollzargen erreicht der Kasten eine stattliche Höhe, genug Platz für ein Heranwachsen des Bienenvolkes auf 2 Bruträume (unten) und 2 Honigräume (oben) im nächsten Jahr.

 

Aber noch sind die Kisten unbewohnt… der Autor kann den Einzug der Neuen kaum erwarten :-)

Magazinbeute auf Holzpalette
Magazinbeute auf Holzpalette
Boden, 2 Brutraumzargen, Absperrgitter, 2 Honigraumzargen, Isolierdeckel und Edelstahldeckel
Boden, 2 Brutraumzargen, Absperrgitter, 2 Honigraumzargen, Isolierdeckel und Edelstahldeckel

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Vorbereitungen.

Normalerweise fängt man im Frühjahr mit seinem ersten Bienenvolk an. Der Autor jedoch war ungeduldig und drängelte wohl auch ein wenig, so dass dessen Imkerpate befand, er könne wohl schon im Spätsommer mit dem Imkern beginnen.

Neue Zander Magazinbeute mit 10 Rähmchen und Mittelwänden
Neue Zander Magazinbeute mit 10 Rähmchen und Mittelwänden

Der Imkerpate bildete noch spät einen Ableger aus seinen Völkern, päppelte ihn ein paar Wochen lang auf, und wartete bis die Königin von ihrem Hochzeitsflug zurückkehrte und mit dem Eierlegen begann.

 

Ende Juli erwarb der Autor seine erste „Beute“, so nennt man die Holzkiste, in der die Bienen wohnen. Die Beutenteile werden in den Therapeutischen Werkstätten der Karlshöhe Ludwigsburg gefertigt.

 

In jeder Beute befinden sich 10 Holzrähmchen, in die ein Stahldraht eingespannt ist. Auf den Drähten werden dünne Mittelwände aus Bienenwachs mit aufgeprägter Wabenstruktur befestigt, die den Bienen als Bauvorlage für ihr Wabenwerk dienen. Die Bienen brauchen diese Bauhilfe nicht unbedingt, sie sorgt aber dafür, dass die Waben schnell ausgebaut werden und ausreichend stabil mit dem Rähmchen verbunden sind, was einen Wabenbruch beim Schleudern verhindert.

 

Er brachte zwei vorbereitete Zargen zu seinem Imkerpaten, damit dieser die Bienen dort einquartieren konnte.

 

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Die Kärntner Biene.

Die Kärntner Biene (Apis mellifera carnica)
Die Kärntner Biene (Apis mellifera carnica)

Das Bienenvölkchen ist von der Rasse der Kärntner Biene (Apis mellifera carnica), auch Krainer Biene genannt. Sie ist eine natürlich entstandene Rasse der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Von den Imkern wird sie auch einfach Carnica genannt. Sie ist in Deutschland die am meisten verbreitete Bienenrasse.

 

Ein bemerkenswerter Zufall: Der Gartenimker verbrachte als kleines Kind viel Zeit in Kärnten, der Heimat seiner Großeltern. Diese bekamen ihren Honig von einem Imker,  der am nahegelegenen Waldrand lebte.

Quelle: Wikipedia

 

Aus dieser Zeit kennt der Autor noch den Geschmack von frisch geerntetem Wabenhonig, den er mitsamt dem feinen Wachs zum Naschen bekam, sowie von im Blecheimer kristallisiertem Honig, dessen feine Kristalle auf der Zunge zergingen. Ein frisches Brot, dick mit diesem herrlichen Honig bestrichen: was konnte es besseres geben?

 

Wirklich nur Zufall, oder vielleicht Vorsehung?

 

Ein prägendes Erlebnis, das Jahrzehntelang schlummerte und nun seine Wirkung entfaltet?

 

Magic...

 

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Das erste Jungvolk.

Am 18.08.2013 war es schließlich so weit: Der Autor durfte „sein“ Bienenvölkchen abholen.

 

Ablegerkasten mit Schleife (Zurrgurt)
Ablegerkasten mit Schleife (Zurrgurt)
Bienentransport im Kofferraum
Bienentransport im Kofferraum

An seinem neuen Platz im Garten hinter dem Haus aufgestellt, konnte die ganze Familie fasziniert beobachten, wie immer mehr Bienen ihren Stock verließen und zuerst zögerlich, aber bald in großer Zahl ausflogen um die Umgebung ihres neuen zu Hauses zu erkunden.

Flugloch geöffnet
Flugloch geöffnet
Die Bienen an ihrem neuen Platz im Garten
Die Bienen an ihrem neuen Platz im Garten

Nehmen wir dies freudige Ereignis zum Anlass, den Autoren von nun an als Gartenimker zu bezeichnen.

 

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Fluglochbeaobachtung.

Auf den ersten Blick steht da nur eine unscheinbare Kiste in des Gartenimkers Garten. Auf den zweiten Blick gibt es aber viel zu beobachten, denn am Flugloch passieren spannende Dinge:

Bienenvolk im blühenden Garten
Bienenvolk im blühenden Garten

Bienen landen, schwer beladen mit voller Honigblase und gelben Pollenhöschen, und geben den süßen Saft an ihre Schwestern, die Stockbienen, weiter, die ihn dann in die Honigzellen einlagern. Fremde Bienen versuchen das Flugloch zu passieren, werden aber von den Wächterinnen am Endringen gehindert. Junge Bienen fliegen sich vorsichtig ein und drehen zuerst nur kleine Runden, fliegen dann aber bald immer größere Strecken. Es gibt junge Bienen mit dichtem Pelz und alte abgekämpfte, die kaum noch Haare auf dem Buckel haben.

 

Drohnen sind deutlich größer als ihre Schwestern, haben keinen Stachel, und werden in jeden Bienenstock, d.h. auch in fremde, eingelassen.

 

Jeden Tag am Nachmittag sammeln sich Unmengen von Bienen zum sogenannten Vorspielflug, dessen Bedeutung bis heute nicht geklärt ist. Man vermutet, dass er etwas mit dem Paarungsflug der Königin zu tun hat.

 

Tote Bienen werden von ihren Schwestern aus dem Stock getragen und in einigem Abstand abgesetzt. Wespen und sind stets präsent und fressen die toten Bienen. Was die Wespen liegen lassen, wird von Feuerwanzen vertilgt.

 

Der Gartenimker kann Stunden lang auf einem Stuhl vor dem Flugloch sitzen und das Treiben beobachten, auf Tuchfühlung mit der Natur. Diese Tätigkeit, oder besser dieser Zustand, kommt dem Meditieren durchaus sehr nahe.

 

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Das Jungvolk wächst.

In der Schwarmzeit sollte das Volk möglichst einmal in der Woche durchgesehen werden. Dabei wird jede Wabe herausgezogen und angeschaut. Der Gartenimker beurteilt, wie es um das Wohl der Bienen bestellt ist. Er vergewissert sich z.B. ob die Königin noch da ist und ob sie fleißig stiftet (Eier legt), und ob es Anzeichen dafür gibt, dass sich das Volk teilen und ausschwärmen möchte, was ggf. verhindert werden sollte.

Polleneintrag
Polleneintrag

 

Die Königin zu finden dauert manchmal ziemlich lange. Wer findet sie auf dem Foto?

Ihre Majestät die Königin, umgeben von ihrem Hofstaat
Ihre Majestät die Königin, umgeben von ihrem Hofstaat

 

Beeindruckend ist, wie schnell die Bienen die Mittelwände „ausbauen“, d.h. die angedeuteten Zellen auf beiden Seiten bis auf ihre volle Breite von ca. 2,5cm ausbauen, um sie anschließend entweder als Brutzellen zu nutzen, oder Honig und Pollen einzulagern.

 

Teilweise ausgebaute Mittelwand
Teilweise ausgebaute Mittelwand
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Einfüttern für den Winter.

Gabe von Zuckersirup über Folie in Leerzarge
Gabe von Zuckersirup über Folie in Leerzarge

Bienen machen Honig und lagern diesen in die Waben ein, um ihn während der kalten Jahreszeit als „Brennstoff“ zu nutzen. Unabhängig von der Außentemperatur halten sie im Inneren des Stocks stets eine Temperatur von mindestens 20°C aufrecht.

 

Wenn der Imker den Honig entnommen hat, muss er den Bienen im Herbst Zuckersirup einfüttern. Dasselbe gilt für Jungvölker, die noch keinen ausreichend großen Honigvorrat anlegen konnten.

 

 

Der Plastikbecher in der Zarge fasst 1,8kg Zuckersirup. In ihm sind außerdem ein paar Korken, die als  Schwimmhilfen dienen, um ein Ertrinken einzelner Bienen zu verhindern. Über Nacht leeren die Bienen den Eimer vollständig. Am nächsten Morgen ist er staubtrocken, nichts klebt mehr.

 

 

Insgesamt füttert der Gartenimker sein erstes Jungvolk in der Zeit von Mitte August bis Ende September mit 15kg Zucker.

 

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Wintertraube.

Was machen Bienen eigentlich im Winter? Nein, sie machen keinen Winterschlaf.

 

Das Bienenvolk zieht sich bei kalten Temperaturen zu seinem kugelförmigen Wintersitz, der sog. Wintertraube zusammen. Die äußeren Bienen erzeugen permanent Wärme durch Bewegung ihrer Flugmuskulatur, so dass im Inneren der Traube immer Temperaturen zwischen 20°C und 30°C herrschen. Wenn es Frost gibt, hören die Bienen auf zu brüten und versetzen sich in einen Energiesparmodus.

 

Durchhängende kugelförmige Wintertraube
Durchhängende kugelförmige Wintertraube
Bienenflug zur Weihnachtszeit
Bienenflug zur Weihnachtszeit

Mit dem Smartphone am 21.12. durch das Flugloch in den Stock fotografiert: Die nach unten durchhängende Bienenkugel, die Wintertraube, ist deutlich zu sehen. Auf dem Drahtgitter liegen ein paar tote Bienen. Diese werden nach draußen befördert, sobald die Temperaturen es erlauben.

 

 

2 Tage später, am 23. Dezember, war es so mild, dass die Bienen die wenigen Minuten, die ihre Kiste in der Sonne steht, für einen kurzen Schnupperflug nutzen.

 

 

Flugwetter am Tag vor Weihnachten. Irgendwie verrückt, dieser Winter.

 

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